Bambus in der chinesischen Kultur

Bambus spielt eine bedeutende Rolle in der chinesischen Kultur und ist essentieller Bestandteil des alltäglichen Lebens. Das chinesische Wort für die Bambuspflanze ist „zhu“, und das Schriftzeichen symbolisiert im Wesentlichen zwei Bambushalme mit einer Krone aus Bambusblättern. Über Jahrtausende hat Bambus die kulturelle Entwicklung Chinas und das alltägliche Leben geprägt. Archäologische Entdeckungen beweisen die frühe Verwendung des Bambus, welche hier anhand einiger folgender ausgewählter Beispiele veranschaulicht wird.

Schon im Neolithikum (12.000 bis 2.000 v. Chr.) diente Bambus als Baumaterial, zur Herstellung von Essstäbchen und Körben und als Nahrungsmittel.

Während der Xia-Dynastie (2.300 bis 1.750 v. Chr.) wurde der Dujiang Staudamm, das älteste und größte Stauprojekt in der Geschichte Chinas, hauptsächlich aus Bambus gefertigt. Schon bereits in der Shang-Dynastie (1.750 bis 1.040 v. Chr.) fertigten die Chinesen Haushaltsgegenstände, aber auch Waffen wie etwa Pfeil und Bogen aus Bambus.

Streifen und Täfelchen aus Bambus oder Holz bildeten das übliche Schreibmaterial während der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.). Vor etwa 1.600 Jahren wurde mit Pinseln auf Xuan Papier (im Westen als Reispapier bekannt) geschrieben, das aus jungem Bambus hergestellt wurde. Noch heute wird Xuan Papier in der chinesischen Kalligraphie und Malerei bevorzugt.

Der Wissenschaftler und Universalgelehrte Shen Kuo (1031 bis 1095) aus der Zeit der Song-Dynastie (960 bis 1279) konnte seine geologische Theorie über sukzessive Klimaänderungen durch den Fund von versteinertem Bambus in den trockenen Regionen von Yan’an in der Shanbei Region festigen.

Su Dongpo (1037 bis 1101), ein bedeutender Literat aus der Song-Dynastie (960 bis 1279), sagte einst, dass die Menschen nicht ohne Bambus leben könnten. In dieser Zeit wurde Bambus unter anderem als Brennholz und zur Herstellung von Papier, Hüten, Regenmänteln, Schuhen, Hausdächern und Flößen genutzt. Damals wie heute waren Bambussprossen wegen ihres knusprig frischen, süßlichen Geschmacks ein beliebtes Gericht, zumal sie Vitamine, Zucker, Fett und Protein enthalten. Su Dongpo bezog sogar seine literarische Inspiration aus Bambus und berühmte Maler vergangener Dynastien thematisierten Bambus in ihren Werken.

Die heilenden Eigenschaften des Bambus werden im "Buch der heilenden Kräuter", dem bekannten historischen Buch chinesischer Arzneimittel aus der Ming-Dynastie (1368 bis 1644), beschrieben: "Er ist etwas kühlend, süßlich, ungiftig, er stillt den Durst, begünstigt den Flüssigkeitshaushalt, ergänzt das Qi und kann täglich verzehrt werden."

Vor etwa 100 Jahren stellte der amerikanische Missionar und Entdecker William Edgar Geil in seinem Buch „A Yankee on the Yangtze" summarisch dar, wofür Bambus verwendet werden kann. In seiner „Ode to Bamboo“ berichtet er, wie ein Mensch in einem Bambushaus unter einem Bambusdach auf einen Bambusstuhl an einem Bambustisch sitzen könnte, während er den Bambushut auf dem Kopf und seine Bambussandalen an den Füßen trägt. Mit Bambusstäbchen isst er aus Bambusschüsseln ein über Bambusfeuer zubereitetes Mahl aus Bambussprossen. Nach Reinigung des Tisches mit einem Bambuslappen genehmigt er sich eine Siesta auf einem mit Bambusmatte und Bambuskopfkissen gepolsterten Bambusbett und verschafft sich mit einem Bambusfächer Abkühlung. Sein Kind liegt neben ihm in einer Bambuswiege und spielt mit einem Bambusspielzeug. Später könnte er eine Bambuspfeife rauchend mit einem Bambusstift auf Bambuspapier schreiben, um seine Schriftstücke dann in zwei an einem Bambusstab befestigten Bambuskörben zu transportieren. Mit einem schützenden Bambusschirm könnte er über eine Bambusbrücke gehen, mit einer Bambuskelle Wasser schöpfen und sich mit einem Bambuskratzer kratzen.

Impressum | © 2014 Asian Bamboo AG