Vertrieb von Bambusstämmen: Primärindustrien

Obwohl Bambus auf vielen Kontinenten wächst, existiert kein Weltmarkt für Bambusstämme oder Bambussprossen. Die Ursache hierfür ist schlicht und einfach, dass Bambusstämme und Bambussprossen wirtschaftlich nicht werthaltig genug für lange Transportwege sind. Weiterverarbeitende Produktionsstätten und Bambusholz verarbeitende Industrien siedeln sich daher in der Nähe der Bambuswälder an.

Beschleunigt durch das starke Wirtschaftswachstum und dem verbesserten Lebensstandard der chinesischen Bevölkerung ist die Nachfrage nach Bambusprodukten signifikant gestiegen. Untenstehend haben wir die größten Produktkategorien in Primär- und Sekundärindustrien aufgeteilt:

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Primärindustrien

Baugewerbe

Über lange Zeit wurden Baugerüste aus Bambus hergestellt, und noch heute dienen Gerüste aus einem Netz von Bambusstangen zum Bau von Wolkenkratzern in ganz Asien. Bambus ist die bevorzugte Wahl beim Bau von bis zu 30 Stockwerken hohen Gebäuden und ist somit für einen Großteil der Bauprojekte geeignet. In China wird Bambus benutzt, um einfache Hängebrücken zu halten, indem man entweder Seile aus gespaltenem Bambus herstellt oder biegsamen Bambus ineinander verdreht. Berichte über solche Brückenkonstruktionen gehen bis in das Jahr 960 v. Chr. zurück. Die Nipa-Hütten auf den Philippinen sind ein typisches Beispiel für ein Bambushaus der einfachsten Art: die Wände sind aus geflochtenen Bambusmatten, gestützt von dicken Bambusstämmen. In der japanischen Architektur wird Bambus hauptsächlich als dekoratives Element eingesetzt und beispielsweise für Zäune, Springbrunnen, Palisaden und Rinnen verwendet.


Möbel

Moso-Bambus wird für eine Vielzahl von Produkten im Möbelsektor, wie zum Beispiel Stühle, Tische, Vorhänge und Matten verwendet. Die chinesische Möbelindustrie hat in den letzten zehn Jahren ein starkes Wachstum erfahren. Diese Entwicklungen wurden durch eine zunehmende Urbanisierung sowie die Unterstützung des Wohnungsbaus durch die Regierung ausgelöst.


Bodenbeläge, Sperrholz, Paneele und Furniere aus Bambus

Geschnittener Bambus kann zu Platten oder Bohlen laminiert werden. Dazu werden Stämme in dünne Streifen aufgeschnitten bzw. längs gespalten, glatt gehobelt und in ein Bad mit heißem Wasser gelegt. Nach dem Trocknen werden sie unter hohem Druck verleimt und abschließend entweder mit Lack versiegelt oder geölt. Die chinesische Bodenbelagsindustrie hat seit Anfang der 90er Jahre einen starken Auftrieb erhalten. Verantwortlich hierfür sind der anhaltende Städtebau, gestiegene Ausgaben für Einrichtungsgegenstände und die dynamische Nachfrage der ausländischen Bauindustrie. Ein steigendes Problembewusstsein hinsichtlich knapper Holzressourcen und der Umweltfolgen durch die zunehmende Abholzung sowie Waldzertifizierungsprogramme lassen das Interesse an Bambus als Rohstoffalternative auf dem Bodenbelagsmarkt steigen. Die Bambusverarbeitung ist eines der am schnellsten wachsenden Segmente der Bodenbelagsindustrie. Etwa die Hälfte der Bambus-Bodenbeläge, die in China produziert werden, wird exportiert, vornehmlich nach Europa und Nordamerika. Holzpaneele werden in drei Hauptkategorien geteilt: Sperrholz (höherer Wert), Spanplatten und Faserplatten. Furniere zählen ebenfalls zu den Holzpaneelen, werden aber als Nebenprodukt klassifiziert, da sie eher der Produktion von Sperrholz dienen und nicht selber Verwendung finden.


Papier und Zellstoff

Bambus wird seit Jahrhunderten in China für die Produktion von Papier eingesetzt. Wie frühe Schriften belegen, dienten schon in der „Zeit der Streitenden Reiche“ aus Bambushalmen gefertigte Täfelchen als Schreibfläche und wurden mit Tusche beschrieben. Gebündelte Bambus- oder Holzstreifen bildeten das übliche Schreibmaterial während der Han-Dynastie (206 v. Chr. - 220 n. Chr.). Die langfaserigen und gestreckten Bambushalme eignen sich hervorragend als Rohmaterial für die Herstellung von Papier und Zellstoff. Gegenwärtig wird in China Off-Set Papier, Pauspapier, Schreibpapier sowie ein besonders beanspruchbares Industriepapier produziert. Der Anteil des aus Bambus hergestellten Papiers und Zellstoffs beträgt weniger als 1% der gesamten Produktionsmenge. Daher hat die chinesische Regierung mit dem 11. Fünf-Jahresplan (2006-2010) ein Programm zur Förderung der Herstellung von Papier und Zellstoff aus Bambus beschlossen, welches unter anderem eine deutliche Kapazitätserweiterung vorsieht. Unabhängige Experten schätzen, dass mit einer Einsatzmenge von vier Tonnen Bambus eine Tonne Pappe produziert werden kann und dabei die Herstellungskosten bei nahezu identischer Qualität um ca. 30% geringer ausfallen als unter Verwendung von Kieferholz. Jüngere Bambusstämme und Stämme von geringerer Qualität in Bezug auf Durchmesser und Geradheit eignen sich für die Produktion von Papier und Zellstoff.

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